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Daniels Weltreise

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So
19
Dez '10

To the Top of the World.

Mitternacht: Der Wecker klingelt. Ich habe nicht wirklich tief geschlafen. Trotzdem fühle ich mich fit. Denn heute geht es auf dem Cotopaxi! Also doch. Wir haben im Refugio auf 4.800 Meter im Dorm mit 75 Stockbetten geschlafen. Wir stehen auf, frühstücken, dann geht es los. Steigeisen an, Eispickel in die Hand.

1 Uhr: Alle Gruppen, etwa 12 Bergsteiger, starten gleichzeitig. Wir sind zu viert in unserer Gruppe und haben zwei Guides. Es ist fast Vollmond. Der Anblick des Cotopaxi ist heroisch, gigantisch, unheimlich und doch beruhigend. Der Schnee leuchtet hell, ich brauche meine Stirnlampe kaum. Die tiefschwarzen Gletscherspalten und Gesteinsformationen wirken im Mondlicht geradezu romantisch. Ich komme mir vor, als würde ich durch ein Gemälde laufen. Da die letzten Tage wegen des Schnees niemand auf den Gipfel konnte, schlagen wir eine frische Spur in den Schnee. Wir sind die erste Gruppe vorneweg. Für unseren Guide verdammt anstrengend. Der Schnee ist tief und locker. Oft rutsch man in seinem Tritt einen ganzen Schritt zurück.

Langsam wird es steil. Wir bilden – je ein Guide und zwei von uns – zwei Seilschaften. Es wird richtig anstrengend. Kopfweh beschleicht mich. Aber ich habe inzwischen eine Methode entwickelt: Lächeln! Und das hilft in der Tat. Das Kopfweh verschwindet wieder. Ich bin in der zweiten Seilschaft. Jedesmal wenn der Guide sagt wie hoch wir inzwischen sind frage ich mich, was ich die letzte gefühlte Ewigkeit eigentlich gemacht habe. Es zieht sich ewig hin. Sechs Stunden soll der Aufstieg dauern. Ich gucke lieber nicht auf die Uhr.

Es ist noch immer kein Sonnenaufgang in Sicht. Mächtige Gletscherspalten und gigantische Eiszapfenformationen umgeben uns. Der Anblick fasziniert mich derart, dass ich wieder Energie gewinne. Wir sehen die Seilschaften vor und hinter uns nur noch als Stirnlampenpunkte im weißen Schnee. Die Abstände vergrößern sich. Das Kopfweh kommt… ich lächele. 5.350 Meter. Wie, noch nicht einmal die Hälfte? Durchhalten, noch habe ich Reserven. Gott sei Dank ist der Cotopaxi „nur“ steil und nicht auch noch technisch anspruchsvoll, wie der Iliniza Norte vor 2 Tagen.

5.500 Meter. Mist, es wird immer schwieriger mit dem Lächeln. Und auch die Schokolade hilft nur noch bedingt gegen Schmerz in meinem Kopf. Wir schaffen das! Monoton stapfen wir weiter. Links gehts es senkrecht nach oben, rechts steil bergab in die dunkle Tiefe. Unser von mehreren Metern Neuschnee bedeckter Pfad ist gerade mal einen Tritt breit, vielleicht 20 Zentimeter. Mir wird mulmig. Ob die anderen das wohl halten würden, wenn ich dort hinunterrutsche? Oh je, schon wieder gibt der Schnee nach! Konzentration! Puh, das ist ja noch mal gut gegangen.

Der Gipfel sah schon vom Refugio so nah aus. Aber er will kaum näher kommen. Ich kann endgültig nicht mehr lächeln. Soll das Kopfweh doch kommen. Langsam erspähe ich Morgenröte im Osten. Na, dann kann der Aufstieg ja nicht mehr ewig dauern. Wow, der Cotopaxi ist wirklich ein atemberaubend schöner Berg! Oh ja, atemberaubend in der Tat. Ich hechele wie ein Hund. Kann der Guide bitte mal eine Pause machen? Mein Puls pocht an der Obergrenze. Aus irgendeinem Grund habe ich immer noch Reserven. Das erstaunt mich selbst. Es wird heller.

Jawoll, das da oben muss der Gipfel sein! Nur noch 100 Höhenmeter, schätze ich. Ich kann die Gruppe vor uns sehen. Wir sind näher gekommen. Das bedeutet, es wird wohl richtig steil. Gott sei Dank haben wir bereits eine Spur im Schnee. Trotzdem rutsche ich mit jedem zweiten Schritt einen halben Meter zurück. Verdammt, ist das anstrengend! Wir kämpfen uns durch. Ich brauche mehr Pausen. Jetzt wird es richtig hart. Die anderen haben es geschafft, sie winken uns von oben zu. Das muss der Vulkankraterrand sein.

Doch ich habe mich zu früh gefreut: Es geht lediglich einen 45 Grad steilen, 1 Meter breiten, vielleicht 15 Meter langen Kanal hinauf! Ich schlage meine Steigeisen mit aller Kraft in den Schnee. Dann den Eispickel. Ich kann nicht mehr. Aber ich will nicht abstürzen. Also weiter. Ich rutsche trotz der Steigeisen immer wieder ab, der Schnee ist zu locker! Aber da oben wartet doch der Gipfel! Ich reiße mich zusammen. Steigeisen. Eispickel. Steigeisen. Eispickel. So fest ich kann. Schließlich habe ich es geschafft! Doch, oh nein! Das ist nicht der Gipfel! Es geht immer noch weiter. Und zwar steil.

Nein, aufgeben kommt nicht in Frage! Kurze Pause, dann geht es weiter. Auch der nächste „Gipfel“ entpuppt sich nur als Zwischenstufe. Das gibt es doch nicht! Ich hangele mich von Motivationsschub zu Motivationsschub. Die Pausen werden häufiger. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt rapide. Jetzt nur keinen Fehler mehr machen. Gleich hast du es geschafft! Ich kann nicht mehr. Ich sehe den perfekten konischen Schatten des Cotopaxi in den Wolken unter uns. Fantastisch. Ich krabbele auf allen Vieren. Nur noch 50 Höhenmeter vielleicht. Was ist das schon? Die Sonne steht nun über dem Horizont.

Wie war das nochmal? Wenn die Sonne den Schnee schmilzt wird es gefährlich? Na, das dauert ja hoffentlich ein Weilchen. Der Guide wird schon wissen was er tut. Ich schalte auf Durchzug und glotze auf meine Schritte. Das muss doch mal ein Ende haben! Der Berg hört doch schließlich irgendwo auf! Da plötzlich sehe ich den tatsächlichen Gipfel – die anderen von der ersten Gruppe sind bereits oben und haben ihre Rucksäcke und Seile abgeworfen. Jetzt schaffst du es! Mit letzter Kraft schleppe ich mich hoch.

Und da ist er, der Krater des Cotopaxi! Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel. Unter uns die Wolken. Ein gigantischer Ausblick! Ich juchze innerlich, doch es kommt kaum heraus. Wir gratulieren uns gegenseitig zum gelungenen Gipfelsturm. Lange können wir nicht bleiben. Nach zehn Minuten beginnt der Abstieg. Wir haben es geschafft! Wir waren auf dem Cotopaxi! 5.900 Meter über dem Meer! Definitiv jenseits meiner Leistungsfähigkeit. Aber ich habe es geschafft. Und es hat sich gelohnt. Ein wirklich wunderschöner Berg ist das!

3 comments »

3 Kommentare zu “To the Top of the World.”

  1. Birgit Says:

    Ich bewundere dich wirklich!

  2. Alex Says:

    Hi Dani, jetzt klappt es doch :-) Hut ab, was Du bis jetzt schon alles auf Dich genommen hast, grade was Deine Bergbesteigungen betrifft! Bewundernswert. Ich weiß nicht, ob ich das Durchhaltevermögen hätte! Wo ich gerne dabei gewesen wäre, sind Deine diversen Tauchgänge und der Trip nach Galapagos. Da beneide ich Dich scho a weng drum :-) Bleib gesund und munter!

  3. Cathi Says:

    Wirklich bewundernswert!

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