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Daniels Weltreise

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Mo
10
Jan '11

Ab in den Süden

Puno, Südperu, 5 Uhr morgens. Mein Guide erwartet mich tatsächlich am Busterminal! Ich habe meine erste peruanische Nachtbusfahrt hinter mir. Und es war in der Tat gar nicht dramatisch. Nur arg warm. Und leider plagt mich ein hartnäckiger Husten. Unser Taxi kriecht unter Anstrengung in Schlangenlinien den steilen Berg hoch. Im Schritttempo.

Unser erstes Ziel sind die schwimmenden „Uros“ Inseln auf dem Titicaca See. Wir setzen mit dem Boot über. Ich komme mir vor wie in einem Disneyfilm. So etwas touristisches habe ich selten erlebt. Ein riesiges Dorf aus schwimmenden Inseln, als wäre es nur für Touristen gemacht. Dass das alles einen anderen – eigentlich sehr ernsten – Ursprung hat, bekommt man dann aber ausführlich erklärt: Als die Spanier kamen, sind die Einheimischen mit Hilfe ihrer schwimmenden Inseln aus dem dort wachsenden Schilfgras (das man unter anderem auch essen kann) auf den Titicaca See geflüchtet. Wir werden überschwänglich freundlich empfangen. Und bekommen einen Einblick in das Leben der Ureinwohner, die auch heute noch auf ihren Inseln leben. Ich kann einen Fernseher in einer der Schilfhütten entdecken. Gespeist von einer modernen Solarzelle. Wir fahren auch auf ihrem „Mercedes-Benz“-Schilfgras-Boot einmal um die Insel. Zum Abschied bekommen wir noch eine – es tut mir leid – mittelmäßige Gesangseinlage. Es war aber sehr nett, das muss ich schon zugeben.

Dann geht es weiter auf die feste Insel Amantaní. Auch hier ist alles auf Tourismus ausgerichtet. Wenngleich der Lebensstandard auf Inselniveau bleibt. D.h. knallharte Betten, kein Bad, Klohütte im Garten. Aber wir wollten es ja nicht anders. Die größere Höhe von 3.800 Meter gegenüber Cusco (3.400 Meter) ist tatsächlich zu spüren. Ich bin gehörig außer Atem als wir den Gipfel der Insel erklimmen. Oder liegt es an meinem Husten? Die Aussicht ist toll.
Abends geht’s zur Insel-„Party“. Besser gesagt: Alle Touris treffen sich in einem quasi leeren weißen Raum an der Plaza. oder Plazita. Aber mit Liveband. Und die ist sogar richtig gut! Wir tanzen. Ich hätte das lassen sollen. Wegen meinem Husten. Ich werde es am nächsten Tag mit Fieber bezahlen. Ich verlasse die Party etwas früher und verpasse, wie unser Guide – mittlerweile hatte er viel zu viel getrunken – den Student aus Lima verprügelt. In der Nacht donnert monsunartig der Regen auf das Blechdach unserer spartanischen Bleibe. Es hört sich an, als würde die Insel untergehen. Doch: Das Dach bleibt dicht.

Die Reisegruppe ist schon wieder durchgehend total nett. Am nächsten Tag werde ich – mit 38° Fieber – bestens von den Mädels versorgt. Nach 2 Paracetamol geht es mir schon erheblich besser. Trotzdem bleibe ich den ganzen Tag auf dem Boot und schlafe während die anderen die nächste Insel besichtigen. Am Abend gehen wir alle gemeinsam in Puno zum Essen. Und schon wieder haben wir zahlreiche facebook Adressen mehr. Dann kommt der Abschied. Zwei Tage gemeinsame Reise und alle lieben sich. Das ist jedes mal wieder unglaublich. Ich steige in den Nachtbus nach Arequipa. Hoffentlich kann ich schlafen und bin morgen fit. Klasse, ich habe einen Einzelplatz. Und einen Riesen-Schlafsitz.

Wow, Arequipa beeindruckt auf den ersten Blick! Der Vulkan „El Misti“ erhebt sich majestätisch hinter den Zwillingstürmen der Kathedrale auf der Plaza Central im Sonnenaufgang in den Himmel. Und mein Hostal ist direkt an der Plaza. Genial.
Ich schlendere durch die Gassen. Ständig will mir jemand Sonnenbrillen verkaufen. Aber Arequipa ist wirklich eine extrem schöne Stadt. Hier kann man es definitiv aushalten. Auch das Klima ist viel angenehmer als im kalten regnerischen Puno. Um 14 Uhr geht mein Stadtrundgang los. Der Guide weiß ALLES über die Kirchen rund um die Plaza.

Die Abendstimmung ist traumhaft. Der El Misti. Das Abendrot. Arequipa bei Nacht ist richtig stimmungsvoll. Mein Knipserherz schlägt höher. 200 Fotos später genieße ich eine leckere würzige Rocota Rellena (gefüllte Paprika, extrem scharf), ein typisches Arequipagericht. Die heiße Schokolade zum Nachtisch toppt nochmal alles.

***

Der Transfer zum Colca Canyon kommt exakt um 7:30 Uhr peruanischer Zeit. Also um 8:30 Uhr. Ich hätte doch noch locker frühstücken können. Wir sammeln noch weitere Gäste, darunter zwei nette Familien mit vier Kindern, von anderen Hotels ein. Um 9 Uhr fahren wir wieder an meinem Hostel vorbei. Ich hätte also noch dreimal frühstücken können… egal.
Wir fahren aus Arequipa raus. Die Landschaft wird braun und rau. Schneebedeckte Vulkane fallen in zerklüftete Felslandschaften. Wir sehen riesige Herden von Lamas und Vikuñas. Und ein paar einsame Flamingos. Einfach schön. Mittags checken wir im Dorf Chivay in der Herberge ein – mit Vulkan-Blick. In die warmen Bäder gehe ich nicht, wegen meinem Husten. Ich knipse mich durch eine Inka-Stätte, direkt neben dem Dorf. Das Internet ist so langsam, dass ich nach 30 Minuten aufgebe. Um 19 Uhr geht es zur „Show“. Es ist wie befürchtet wieder sehr touristisch. Die Show ist aber ganz nett.

Am nächsten Tag stehe ich um 5.40 Uhr auf. Die Dusche bleibt auch nach 20 Minuten eiskalt. Das Wetter ist ausgezeichnet. Knallblauer Himmel. Und ein paar weiße Wölkchen. Wir fahren mit dem Bus in den Cañon. Mir offenbart sich ein gigantischer Blick über die lange tiefe Schlucht. Es geht weiter zum Cruzador del Condor, meinem heimlichen Höhepunkt. Na gut, jedermanns Höhepunkt. Wir haben knapp zwei Stunden Zeit. Die erste Stunde vergeht. Kein Condor zu sehen. Hmm. Ich wechsele meinen Aussichtspunkt. Während ich mich an einer foto-strategisch äußerst ungünstigen Position befinde brüllt plötzlich jemand: Condor, Condor! Da erhebt sich ein Paar riesiger schwarzer Flügel über dem Berg. Sie sind da! Und es kommen mehr. Sie kommen extrem nah an uns heran! 300 Fotos später und überglücklich steige ich wieder in den Bus. Nach dem ausgezeichneten Mittagessen heißt es Abschied nehmen, wir fahren zurück nach Arequipa. Nein, wir rasen. Über die kurvige Bergstraße. Es übergeben sich alle Kinder und auch ein paar Erwachsene. Prost Mahlzeit. Der Fahrer fährt jetzt noch schneller. Mit der Höhe und den Kurven hab ich Gott sei Dank gar kein Problem.

Ich sitze im Restaurant neben dem Hostal. Die Abendstimmung zaubert mir eine Gänsehaut. Ich könnte heulen vor Ergriffenheit bei dieser Abendstimmung. Der El Misti beeindruckt mich immer noch. Und die netten Leute vom Hostel, die mir für ein Foto extra die Dachterrasse aufsperren. Ich bin rundum von Glück erfüllt.
Und soeben habe ich meinen Essens-Qualitätsmaßstab wieder erweitern müssen: Ein Stück Alpacakeule, im Feuer gebraten, auf heißem Stein serviert, himmlisch im Geschmack.

Im top organisierten Cruz Del Sur Bus schlafe ich ausgezeichnet. Gegen 6:30 Uhr komme ich in Nasca an. Ich warte fast eine Stunde auf den Guide, der dachte, dass ich erst um 8 Uhr ankomme. Es geht sofort zum Flugplatz weiter. Ich nehme in der 5-sitzigen Cessna Platz. Es wundert mich nicht, dass in den letzten Jahren so viele Maschinen abgestürzt sind. Es grenzt an Kunstflug, wie der Pilot die kleine Kiste im Tiefflug von gerade mal 100 Metern um die Figuren bugsiert. Man kann die Nasca-Linien ausgezeichnet erkennen! Viel besser als ich erwartet hatte. Die 30 Minuten gehen wie im Fluge vorbei.

Nach Ica geht’s jetzt mal mit einem „echten“ peruanischen Bus über die Panamericana. Hoffentlich hält mein Sitz bis zum Ziel durch. Und hoffentlich steige ich nicht mit einem Huhn in der Hand statt meiner Kamera wieder aus. Dann ein außerplanmäßiger Not-Stop: Der Fahrkarten-Kontrolleur muss dringend eine Melone kaufen.
Ich komme in Ica an, mein Guide wartet bereits auf mich. Wir fahren zum Mittagessen in eine total touristische historische Pisco-Fabrik. Ich bekomme eine kurze Führung inkl. Pisco-Verkostung. Vor dem Essen. Ich bin stockbetrunken.

Dann fahren wir in die Oase Huacachina. Hier ist Fun und Party angesagt. Kaum angekommen werde ich in den Buggy gepackt. Wir rasen mit Karacho über die Dünen, dass nur so die Fetzen fliegen. Hoch und runter. Springen und Fliegen inklusive. Dann halten wir auf dem Kamm einer Düne an: Sandboarding ist angesagt! Rauf auf das Board und runtergerutscht die Düne. Wir steigern uns. Mehr Höhe, mehr Gefälle. Ich muss natürlich während des Runterrasens ein Video drehen. Klappt.

Der nächste Tag führt mich zu den Islas Ballestras. Fassen wir uns kurz: Nach Galapagos ist das ganz nett, aber für mich total langweilig.

Mein Ausflug nähert sich dem Ende. Der Bus nach Cusco hat über eine Stunde Verspätung. Die Fahrt wird ca. 17 Stunden dauern. Mit dem Schlafen wird es diesmal nicht so einfach, denn die Straße ist eine äußert kurvige Angelegenheit…

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