Daniels Weltreise Kuba, Ecuador, Peru, Tonga, Botswana, Namibia Südafrika 2011-03-18T14:04:06Z http://www.daniels-weltreise.de/feed/atom/ WordPress Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Ich könnte ja behaupten…]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=233 2011-03-18T14:04:06Z 2011-01-21T14:03:14Z dass ich diese Fotos im Urwald geschossen hätte. Doch so nah kommt man nur im Zoologico, nahe Cusco, an einige der schönsten oder beeindruckendsten Tiere Perus heran.

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Ab in den Süden]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=218 2011-03-13T07:40:42Z 2011-01-10T19:31:36Z Puno, Südperu, 5 Uhr morgens. Mein Guide erwartet mich tatsächlich am Busterminal! Ich habe meine erste peruanische Nachtbusfahrt hinter mir. Und es war in der Tat gar nicht dramatisch. Nur arg warm. Und leider plagt mich ein hartnäckiger Husten. Unser Taxi kriecht unter Anstrengung in Schlangenlinien den steilen Berg hoch. Im Schritttempo.

Unser erstes Ziel sind die schwimmenden „Uros“ Inseln auf dem Titicaca See. Wir setzen mit dem Boot über. Ich komme mir vor wie in einem Disneyfilm. So etwas touristisches habe ich selten erlebt. Ein riesiges Dorf aus schwimmenden Inseln, als wäre es nur für Touristen gemacht. Dass das alles einen anderen – eigentlich sehr ernsten – Ursprung hat, bekommt man dann aber ausführlich erklärt: Als die Spanier kamen, sind die Einheimischen mit Hilfe ihrer schwimmenden Inseln aus dem dort wachsenden Schilfgras (das man unter anderem auch essen kann) auf den Titicaca See geflüchtet. Wir werden überschwänglich freundlich empfangen. Und bekommen einen Einblick in das Leben der Ureinwohner, die auch heute noch auf ihren Inseln leben. Ich kann einen Fernseher in einer der Schilfhütten entdecken. Gespeist von einer modernen Solarzelle. Wir fahren auch auf ihrem „Mercedes-Benz“-Schilfgras-Boot einmal um die Insel. Zum Abschied bekommen wir noch eine – es tut mir leid – mittelmäßige Gesangseinlage. Es war aber sehr nett, das muss ich schon zugeben.

Dann geht es weiter auf die feste Insel Amantaní. Auch hier ist alles auf Tourismus ausgerichtet. Wenngleich der Lebensstandard auf Inselniveau bleibt. D.h. knallharte Betten, kein Bad, Klohütte im Garten. Aber wir wollten es ja nicht anders. Die größere Höhe von 3.800 Meter gegenüber Cusco (3.400 Meter) ist tatsächlich zu spüren. Ich bin gehörig außer Atem als wir den Gipfel der Insel erklimmen. Oder liegt es an meinem Husten? Die Aussicht ist toll.
Abends geht’s zur Insel-„Party“. Besser gesagt: Alle Touris treffen sich in einem quasi leeren weißen Raum an der Plaza. oder Plazita. Aber mit Liveband. Und die ist sogar richtig gut! Wir tanzen. Ich hätte das lassen sollen. Wegen meinem Husten. Ich werde es am nächsten Tag mit Fieber bezahlen. Ich verlasse die Party etwas früher und verpasse, wie unser Guide – mittlerweile hatte er viel zu viel getrunken – den Student aus Lima verprügelt. In der Nacht donnert monsunartig der Regen auf das Blechdach unserer spartanischen Bleibe. Es hört sich an, als würde die Insel untergehen. Doch: Das Dach bleibt dicht.

Die Reisegruppe ist schon wieder durchgehend total nett. Am nächsten Tag werde ich – mit 38° Fieber – bestens von den Mädels versorgt. Nach 2 Paracetamol geht es mir schon erheblich besser. Trotzdem bleibe ich den ganzen Tag auf dem Boot und schlafe während die anderen die nächste Insel besichtigen. Am Abend gehen wir alle gemeinsam in Puno zum Essen. Und schon wieder haben wir zahlreiche facebook Adressen mehr. Dann kommt der Abschied. Zwei Tage gemeinsame Reise und alle lieben sich. Das ist jedes mal wieder unglaublich. Ich steige in den Nachtbus nach Arequipa. Hoffentlich kann ich schlafen und bin morgen fit. Klasse, ich habe einen Einzelplatz. Und einen Riesen-Schlafsitz.

Wow, Arequipa beeindruckt auf den ersten Blick! Der Vulkan „El Misti“ erhebt sich majestätisch hinter den Zwillingstürmen der Kathedrale auf der Plaza Central im Sonnenaufgang in den Himmel. Und mein Hostal ist direkt an der Plaza. Genial.
Ich schlendere durch die Gassen. Ständig will mir jemand Sonnenbrillen verkaufen. Aber Arequipa ist wirklich eine extrem schöne Stadt. Hier kann man es definitiv aushalten. Auch das Klima ist viel angenehmer als im kalten regnerischen Puno. Um 14 Uhr geht mein Stadtrundgang los. Der Guide weiß ALLES über die Kirchen rund um die Plaza.

Die Abendstimmung ist traumhaft. Der El Misti. Das Abendrot. Arequipa bei Nacht ist richtig stimmungsvoll. Mein Knipserherz schlägt höher. 200 Fotos später genieße ich eine leckere würzige Rocota Rellena (gefüllte Paprika, extrem scharf), ein typisches Arequipagericht. Die heiße Schokolade zum Nachtisch toppt nochmal alles.

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Der Transfer zum Colca Canyon kommt exakt um 7:30 Uhr peruanischer Zeit. Also um 8:30 Uhr. Ich hätte doch noch locker frühstücken können. Wir sammeln noch weitere Gäste, darunter zwei nette Familien mit vier Kindern, von anderen Hotels ein. Um 9 Uhr fahren wir wieder an meinem Hostel vorbei. Ich hätte also noch dreimal frühstücken können… egal.
Wir fahren aus Arequipa raus. Die Landschaft wird braun und rau. Schneebedeckte Vulkane fallen in zerklüftete Felslandschaften. Wir sehen riesige Herden von Lamas und Vikuñas. Und ein paar einsame Flamingos. Einfach schön. Mittags checken wir im Dorf Chivay in der Herberge ein – mit Vulkan-Blick. In die warmen Bäder gehe ich nicht, wegen meinem Husten. Ich knipse mich durch eine Inka-Stätte, direkt neben dem Dorf. Das Internet ist so langsam, dass ich nach 30 Minuten aufgebe. Um 19 Uhr geht es zur „Show“. Es ist wie befürchtet wieder sehr touristisch. Die Show ist aber ganz nett.

Am nächsten Tag stehe ich um 5.40 Uhr auf. Die Dusche bleibt auch nach 20 Minuten eiskalt. Das Wetter ist ausgezeichnet. Knallblauer Himmel. Und ein paar weiße Wölkchen. Wir fahren mit dem Bus in den Cañon. Mir offenbart sich ein gigantischer Blick über die lange tiefe Schlucht. Es geht weiter zum Cruzador del Condor, meinem heimlichen Höhepunkt. Na gut, jedermanns Höhepunkt. Wir haben knapp zwei Stunden Zeit. Die erste Stunde vergeht. Kein Condor zu sehen. Hmm. Ich wechsele meinen Aussichtspunkt. Während ich mich an einer foto-strategisch äußerst ungünstigen Position befinde brüllt plötzlich jemand: Condor, Condor! Da erhebt sich ein Paar riesiger schwarzer Flügel über dem Berg. Sie sind da! Und es kommen mehr. Sie kommen extrem nah an uns heran! 300 Fotos später und überglücklich steige ich wieder in den Bus. Nach dem ausgezeichneten Mittagessen heißt es Abschied nehmen, wir fahren zurück nach Arequipa. Nein, wir rasen. Über die kurvige Bergstraße. Es übergeben sich alle Kinder und auch ein paar Erwachsene. Prost Mahlzeit. Der Fahrer fährt jetzt noch schneller. Mit der Höhe und den Kurven hab ich Gott sei Dank gar kein Problem.

Ich sitze im Restaurant neben dem Hostal. Die Abendstimmung zaubert mir eine Gänsehaut. Ich könnte heulen vor Ergriffenheit bei dieser Abendstimmung. Der El Misti beeindruckt mich immer noch. Und die netten Leute vom Hostel, die mir für ein Foto extra die Dachterrasse aufsperren. Ich bin rundum von Glück erfüllt.
Und soeben habe ich meinen Essens-Qualitätsmaßstab wieder erweitern müssen: Ein Stück Alpacakeule, im Feuer gebraten, auf heißem Stein serviert, himmlisch im Geschmack.

Im top organisierten Cruz Del Sur Bus schlafe ich ausgezeichnet. Gegen 6:30 Uhr komme ich in Nasca an. Ich warte fast eine Stunde auf den Guide, der dachte, dass ich erst um 8 Uhr ankomme. Es geht sofort zum Flugplatz weiter. Ich nehme in der 5-sitzigen Cessna Platz. Es wundert mich nicht, dass in den letzten Jahren so viele Maschinen abgestürzt sind. Es grenzt an Kunstflug, wie der Pilot die kleine Kiste im Tiefflug von gerade mal 100 Metern um die Figuren bugsiert. Man kann die Nasca-Linien ausgezeichnet erkennen! Viel besser als ich erwartet hatte. Die 30 Minuten gehen wie im Fluge vorbei.

Nach Ica geht’s jetzt mal mit einem „echten“ peruanischen Bus über die Panamericana. Hoffentlich hält mein Sitz bis zum Ziel durch. Und hoffentlich steige ich nicht mit einem Huhn in der Hand statt meiner Kamera wieder aus. Dann ein außerplanmäßiger Not-Stop: Der Fahrkarten-Kontrolleur muss dringend eine Melone kaufen.
Ich komme in Ica an, mein Guide wartet bereits auf mich. Wir fahren zum Mittagessen in eine total touristische historische Pisco-Fabrik. Ich bekomme eine kurze Führung inkl. Pisco-Verkostung. Vor dem Essen. Ich bin stockbetrunken.

Dann fahren wir in die Oase Huacachina. Hier ist Fun und Party angesagt. Kaum angekommen werde ich in den Buggy gepackt. Wir rasen mit Karacho über die Dünen, dass nur so die Fetzen fliegen. Hoch und runter. Springen und Fliegen inklusive. Dann halten wir auf dem Kamm einer Düne an: Sandboarding ist angesagt! Rauf auf das Board und runtergerutscht die Düne. Wir steigern uns. Mehr Höhe, mehr Gefälle. Ich muss natürlich während des Runterrasens ein Video drehen. Klappt.

Der nächste Tag führt mich zu den Islas Ballestras. Fassen wir uns kurz: Nach Galapagos ist das ganz nett, aber für mich total langweilig.

Mein Ausflug nähert sich dem Ende. Der Bus nach Cusco hat über eine Stunde Verspätung. Die Fahrt wird ca. 17 Stunden dauern. Mit dem Schlafen wird es diesmal nicht so einfach, denn die Straße ist eine äußert kurvige Angelegenheit…

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Der Daniel in Bestform]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=213 2011-02-27T14:14:16Z 2011-01-06T13:51:06Z Ich habe seit Monaten kein Klavier mehr traktiert oder eine Gitarre gezupft. Oder gar auf der Bühne gestanden! Ein inakzeptabler Zustand. Deshalb gehen wir heute Abend zum Karaoke!

Außer uns sind noch etwa 4-5 Tische besetzt. Alle singen irgendwelche alten spanischen Schnulzen, seltener auch mal eine moderne Schnulze. Was mich aber völlig schockiert: Alle hocken auf ihren Plätzen am Tisch, sogar während ihrer Performance! Das geht ja überhaupt nicht! Die Damen und Herren hier brauchen definitiv eine Lektion in Sachen Karaoke.

Ok, erstmal einsingen. Ich starte mit Daniela das Duett „Something Stupid“. Dann geht’s gleich weiter mit Opener „Everything“. Ich erobere die Bühne und hole die Meute auf die Tanzfläche. Und siehe da, sie kommen sogar! Endlich kommt mal Stimmung auf! Plötzlich springt der Manager der Karaokebar hervor, zückt seine Kamera und dreht ein Video von mir. Dass er es gleich auf youtube veröffentlicht, hat er mir nicht gesagt….. aber ein Video sagt doch mehr als tausend Bilder:

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Mit dem Quad durch den Matsch]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=211 2011-02-27T13:50:48Z 2011-01-03T13:48:23Z Mein Spanisch-Unterricht an der San Blas Spanish School in Cusco ist richtig gut. Nach dem Unterricht gehe ich schnell nach Hause, denn wir wollen uns Quads ausleihen. Gott sei Dank dauert es wieder mal etwas länger bis alle bereit sind. Ich kann noch in Ruhe zu Mittag essen.

Ich teile meinen Quad mit Mirka. Wir nehmen den schwarzen. Mirka hat keinen Führerschein und ist bisher außer Fahrrad noch nichts gefahren. Ok. Wir üben erstmal auf dem kleinen Platz. Na, das geht doch schon ganz gut! Dann geht’s ab ins Gelände. Über die vom Regenwasser zerfurchten Wege heizen wir die Berge von Cusco hoch. Was für ein Späßle! Mit Absicht durch alle Pfützen, der Dreck spritzt uns bis ins Gesicht. Die Landschaft ist wieder einmal beeindruckend. Wir scheppern die Serpentinen hoch. Die Kurvenlage der Quads ist schon einmalig. Wir kommen am höchsten Punkt an. Na, dann gehts auf der anderen Seite wieder runter.

Unser Guide sagt, hier sollen wir langsam fahren. Wir waren wohl nicht langsam genug. Tims Quad gibt auf: Das rechte Vorderrad hat sich aus der Verankerung gerissen. Aber wir sind ja in Peru. Da haben es die Jungs noch drauf. Mit einem Draht wird das Spaßmobil fix wieder auf Vordermann gebracht.

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Weihnachten in Cai Cay]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=205 2011-02-19T22:33:53Z 2010-12-30T22:23:08Z Eigentlich ist heute mein erster Schultag in der Spanischschule in Cusco. Ich bin erst spät in der Nacht vom Machupicchu zurückgekommen und eigentlich hundemüde. Die Familie möchte, dass ich mit nach „Cai Cay“ komme. Kurzerhand wird meine Spanischstunde gecancelt und ich werde ins Auto gepackt. Was zum Teufel ist Cai Cay? Cai Cay ist ein kleines Dorf in den Bergen, etwa eine halbe Stunde von Cusco entfernt. Gastfamilienvater Ernesto hat dort im Jahr 2003 ein Kinderförderungsprojekt ins Leben gerufen, das „Proyecto Fe Yunca Puncu“. Die Dorfkinder, die hier in ärmsten Verhältnissen leben, werden in einem Nachmittagsprogramm weitergebildet. Viele der Eltern haben keine Arbeit, sind oft schon am Nachmittag betrunken. Für die Kinder dieser kleinen Bergdörfer bietet sich zumeist keinerlei Chance zur Weiterbildung. Und damit keine Zukunft. Kaum einer der Kleinen war je im 30-Minuten entfernten Cusco!

Heute ist die Weihnachtsfeier für die Kinder. Dank einer großen Spende aus Holland und Deutschland konnten Weihnachtsgeschenke besorgt und eine Feier organisiert werden. Zehn Uhr. Die Kinder trudeln langsam ein. Von 3 bis 15 Jahren ist alles dabei. Jeder bekommt sein Namensschild am Eingang.

Dann versammeln wir uns alle im großen Klassenzimmer. Der Weihnachtsbaum steht in einem Meer aus Geschenken. Papa Ernesto hält eine Ansprache und dankt allen, die das Projekt unterstützt haben. Ganz besonders Tim, der die letzten zwei Wochen als Volontär geschuftet und die Weihnachtsfeier überhaupt erst ermöglicht hat. Dann rufen die Kinder nach Papa Noël. Papa Ernesto hat sich in der Zwischenzeit draußen heimlich ins Weihnachtsmannkostüm geschmissen. Die Kinder rufen lauter nach Papa Noël. Dann kommt Papa-Ernesto-Noël endlich zur Tür herein. Die Kinder jubeln und kreischen. Wegen der Hitze müssen wir Papa-Ernesto-Noël die Weihnachtsmann-Perücke dann doch wieder abnehmen. Das stört die Kinder aber nicht im Geringsten. Denn jetzt werden die Geschenke verteilt. Die Kinder mit den besten Abschlüssen werden besonders geehrt. Anschließend gibt es heiße Schokolade für alle. Jetzt darf herumgetollt werden.

Das „Proyecto Fe Yunca Puncu“ sucht regelmäßig Volontäre und finanzielle Unterstützer. Denn ohne Geld ist das Förderprogramm nur schwer zu finanzieren. Ich habe gesehen, dass meine Spende direkt und ohne Verwaltungsaufwand oder Bürokratie am Ziel angekommen ist. Wer das Projekt finanziell oder als Volontär unterstützen möchte, kann sich auf der Website http://www.volunteerandtravelinperu.com/ informieren oder natürlich gerne auch mich ansprechen.

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Auf zum Machupicchu]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=191 2011-01-19T23:24:22Z 2010-12-26T21:59:39Z Wer nicht zum Machupicchu gelaufen ist, war nicht in Peru. Könnte man sagen. Wie auch immer, ich mag alte Ruinen. Und schon deshalb möchte ich unbedingt die gut erhaltene Inka-Stadt sehen. Als Pilgerpfad habe ich den “Inca Jungle Trail” ausgewählt. Vier Tage per Fahrrad und zu Fuß.

Wir starten am Sonntag. Heute ist Biken angesagt, downhill. Die Bikes sind echt in Ordnung. Wir fahren mit dem Bus auf 4.200 Meter Höhe. Oben ist es noch nebelig und feucht. Aber unterhalb der Wolken wird uns die Sonne erwarten. Wir schwingen uns auf die Räder. Alle brav hintereinander und nicht zu schnell, gell. Und bloß nicht den Guide überholen! Wir rollen die Asphaltstraße hinunter. Ich drehe gleich mal ein paar Videos, trotz Nebel. Es dauert länger als ich dachte, bis die Sonne zum Vorschein kommt. Dann aber eröffnet sich uns ein gigantischer Blick. Atemberaubende Bergketten mit Nebelwaldvegetation. Unten schlängelt sich ein Fluss durch das Tal. Ich drehe gerade ein Video von William, will überholen, da muss ich eine Vollbremsung einleiten. Stau.

Stau? Moment, bisher war kaum ein Fahrzeug zu sehen. Dann sehe ich was los ist: vor uns rutscht gerade der Berghang auf die Straße. Riesige Felsbrocken donnern den Berg hinunter. Der ein oder andere Baum ist auch dabei. Das Aufräumteam ist bereits vor Ort. Wir warten eine gute Stunde. Der Berg hat sich immer noch nicht beruhigt. Wir haben keine Geduld mehr und fahren im Bus, die Räder auf das Dach gepackt, schnell durch die ein bisschen geräumte Dreckstelle durch.

Dann geht’s wieder auf das Bike. Eine Menge Wasser kreuzt immer wieder die Straße. Es fließt einfach über die Straße, ist so vorgesehen. Ab jetzt begleitet uns die Sonne. Es wird verdammt warm. Die traumhafte Aussicht bleibt bis zum Schluss. Schließlich wird aus der Asphaltstraße eine Matschstraße. Durch den vielen Regen besteht der Weg nur noch aus einer dicken Schlammschicht. Das allerdings macht nochmal richtig Spaß. In einem kleinen Dorf packen wir die Bikes wieder auf den Bus, säubern uns so gut es geht und fahren zu unserem Hostel in Santa Marta. Santa Marta besteht aus kaum mehr Häusern als Hühnerställen. Das Abendessen ist richtig lecker. Schade, mit dem Rafting-Ausflug am Abend klappt es nicht, ist irgendwie doch schon ausgebucht.

Montag. Es regnet. In Strömen. Es ist schon erstaunlich, dass überhaupt so viel Wasser vom Himmel fallen kann. Wir warten. Und tatsächlich, es wird langsam weniger. Wir laufen los. Wir haben mehr als 8 Stunden Wanderung vor uns. Die Landschaft ist mal wieder atemberaubend. Steile Berge, reißende Flüsse, wilde Urwald-Vegetation. Es wird zur Abwechslung mal wieder steil. Und heiß. Und feucht. Der Regen wurde von der Sonne abgelöst. Wir sammeln die reifen Mangos, die hier im Nebelwald wachsen. Wir machen Pause am Monkey-House. Da sitzt tatsächlich ein Affe. Oh, ist der süß! Er steht total auf die orangefarbenen Gatoradeflaschen.


Jetzt geht es auf den echten Inka Trail! Gerade mal einen halben Meter breit geht es links steil bergab, rechts steil bergauf. Und der Blick ist entsprechend atemberaubend! Im Tal tost der reißende Fluss, der so manches Haus im letzten Jahr angegraben oder gar weggespült hat. Trotz meiner Cotopaxi-Kondition ist der Trail verdammt anstrengend. Die vielen steilen Felsstufen unterschiedlicher Höhe bei heiß-schwülem Wetter. Zum Mittagessen gibt es die beste Guacamole, die ich jemals gegessen habe! Nach dem Essen fleze ich mich in eine der gemütlichen Hängematten. Warmer Wind streicht mir um die Nase, mein Blick nach oben in die Bananenbäume… Da müsste ich nie mehr aufstehen.

Der Nachmittag wird nochmal richtig anstrengend. Wir passieren den Fluß über Hängebrücken und Ziplines. Wir kommen zu einer Thermalquelle. Ich nehme ein Bad. Wenn ich doch schon da bin! Ich bin offensichtlich der einzige, der sich “traut”. Dann wird’s matschig im Flussbett und wir müssen uns mit Steinen Tritthilfen zurechtwerfen. Es wird langsam dunkel. Schließlich rennen wir den Hügel vom Fluss hoch. Wir kommen oben auf der Straße an, inzwischen ist es stockfinster. Die letzten Meter nach Santa Teresa. Nach mehr als 8 Stunden Wanderung.

Dienstag. Heute ist ein Special angesagt: Die Zipline von Santa Teresa. 6 Seile in 150 Meter Höhe, bis zu 350 Meter lang. Gespannt quer über das Tal mit dem Fluss. Ein fantastischer Ausblick! Mann, die sind ganz schön schnell die Dinger! Bis zu 50 km/h! Und ein Mords Spaß! Ich rase, nur an einem Stahlseil hängend, über die Wipfel des Urwalds und über den reißenden Fluss. In 150 Meter Höhe. Ein Erlebnis für sich.

Wir fahren weiter mit dem Bus. Dann bricht die Straße ab, der Fluss hat sie letztes Jahr mitgenommen. Aber Laufen ist ja eh viel schöner. Von den Bergen stürzen sich gewaltige Wasserfälle in die Tiefe. Dann kommen wir an den Eingang zum Machupicchu Nationalpark. Wir marschieren weiter, die romantische Bahnlinie entlang, immer dem Fluss folgend. Schließlich erreichen wir Aguas Calientes: Die Lage ist unbeschreiblich: Eingepfercht zwischen steilen Bergwänden und dem tosenden Fluss Rio Urubamba hängen die Häuser am Hang. Leider ist die Stadt selbst total touristisch. Wie schade. Und teuer natürlich. Trotzdem ist das Essen ganz ausgezeichnet. Wir beschließen, den Machupicchu am nächsten Tag zu Fuß zu erklimmen.

Mittwoch. 4 Uhr. Aufstehen. Na toll, es schüttet in Strömen. Egal, wir gehen zu Fuß da hoch, basta. Ich statte mich regentauglich aus. Wir tasten uns in der Dunkelheit vor. Der Regen geht mir auf den Keks. Die Stufen sind glitschig und natürlich immer unterschiedlich hoch, inka-klassisch. Meine Kamera scheint das x-fache zu wiegen. Ich schwitze. Toll, außen nass, innen nass. Ich bin schon wieder völlig platt. William nimmt mir dankenswerterweise die Kamera ab. Und siehe da, plötzlich komme ich ganz problemlos voran.

Eine knappe Stunde später sind wir oben. Noch vor dem ersten Bus. Es ist kalt. Und nass. Ich fühle mich extrem unwohl. Ich hätte mehr anziehen sollen. Wir stehen rum, bis die andern kommen. Eine Dreiviertelstunde später geht’s dann los. Im einer riesigen Gruppe. Trotzdem: Der Guide ist sehr gut. Und ich muss erstaunt feststellen: Bei Regen scheint Machupicchu zum Leben zu erwachen! Das Wasser läuft durch die Kanalsysteme der Inkas, die Wolken hängen mystisch zwischen den schroffen Gipfeln.

Trotzdem bin ich nass, nass, nass. Als die Führung endlich vorbei ist, schlage ich vor, dass wir mit dem Bus runter fahren und dann wieder hoch fahren wenn die Sonne raus kommt. Gebongt. Ich freue mich auf eine warme Dusche im Hostal. Da habe ich mich wohl zu früh gefreut. Entgegen der Angabe des Guides wäre um 9 Uhr Checkout gewesen. Sämtliche Sachen von uns stehen in Plastiktüten unten im Laden. Was für eine Frechheit! Kurzerhand gehen wir in die städtischen Warmbäder. Wir relaxen im wärmsten Becken und bekommen sogar Getränke an den Pool geliefert. Nach dem Mittagessen kommt die Sonne. Endlich! Wir fahren hoch und entdecken Machupicchu erneut. Bei Sonnenschein! Ein vollkommen anderer Eindruck. Nicht so stimmungsvoll, aber doch sehr viel angenehmer. Ehrlich gesagt: Fantastisch! So gut erhalten, in dieser Lage, wird Machupicchu seinem Ruf allemal gerecht!

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Weihnachten mal anders]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=162 2011-01-07T02:10:20Z 2010-12-24T22:37:24Z Lange habe ich mich gefragt, wie wohl mein erstes Weihnachtsfest ohne Familie, weit weg von zuhause, ablaufen würde. Jetzt weiß ich es. Es war eine der verrücktesten Partys, die ich je gefeiert habe.

Ich war gerade drei Tage bei meiner Gastfamilie in Cusco. Außer mir wohnten noch etwa sechs andere Volontäre und Langzeitreisende hier. Alle zwischen 20 und 30 Jahre alt und unglaublich herzlich. Jeder von uns hat den Namen eines Mitbewohners zugeteilt bekommen um für ihn ein Weihnachtsgeschenk zu besorgen. Um mich gleich dem peruanischen Stil anzupassen, habe ich das Geschenk erst am 24. besorgt.
Na gut, um ehrlich zu sein: Nach zwei Monaten Reise hat mich in Cusco das erste mal Montezumas Rache erwischt und ich lag zwei Tage im Bett. Zum Glück war es dann auch wieder vorbei. Aber am 24. findet traditionell ein wunderbarer Weihnachtsmarkt auf dem Plaza de Armas in Cusco statt. Und dort gibt es ausgezeichnete Angebote. Man könnte allerdings meinen, dass sämtliche Bewohner Cuscos heute noch schnell ihre Geschenke hier kaufen müssen. Ich habe für Kars aus Holland den obligatorischen “PERU”-Sweater erstanden. Natürlich habe ich auch etwas für die Kinder und für meine Gastmama Dina besorgt. Mein Zimmer wurde spontan zur emsigen Weihnachtsgeschenk-Verpackungszentrale umfunktioniert.

Der Weihnachtsbaum ist definitiv zu klein für die vielen Geschenke. Und das Wohnzimmer platzt langsam aus allen Nähten, denn es kommen noch weitere Freunde. Dann sorgen wir mal für Stimmung und drehen die Musik auf. Oh mein Gott, auch hier hat sich “Last Christmas” von George Michael durchgesetzt. Nun gut, ich bin froh, dass ich es wenigstens nicht die letzten 4 Wochen jeden Tag acht Mal im Radio hören musste. Die Weihnachtslieder sind eben auf der ganzen Welt dieselben.

Bier, Rum und Rotwein fließen – Essen gibt es erst um Mitternacht. Die Folgen sind fatal. Ich beginne, ausgelassen zu tanzen. Sehr zur Freude der anderen Anwesenden. Lautstark singe ich sämtliche Weihnachtslieder mit. Ohne es darauf angelegt zu haben, stehe ich plötzlich im Zentrum der Show. Mit meiner Bierflasche als Mikrofon performe ich “Last Christmas” – mit Gastfamilien-Tochter Jamil als Counterpart.
Doch es kommt noch schlimmer. Der nächste Song beginnt: “All I Want For Christmas Is You”. Jamil – alias Mariah Carey – singt in ihre Bierflasche. Ich verwandle mich intuitiv in das “Weihnachtsgeschenk”. In Ekstase beginne ich mit dem Weihnachtsbaum zu tanzen. Mama Dina, die Stunden in die Dekoration investiert hatte, steht kurz vor einer Herzattacke. Doch ich kenne keine Gnade. Ich rutsche mit dem Weihnachtsbaum quer durch das Wohnzimmer. Irgend jemand hat Gott sei Dank gerade noch rechtzeitig die elektrische Beleuchtung des Baums ausgesteckt.

Endlich ist es Mitternacht! Wir gehen raus auf die Straße und lassen es ordentlich krachen. In Südamerika wird auch an Weihnachten geballert. Wobei es offensichtlich eher auf den Lärm als auf die optische Ästhetik des Feuerwerks ankommt.

Dann gibt es endlich… nein, kein Essen. Zuerst die Bescherung! Die Kinder dürfen zuerst ran. Parallel tauschen wir unsere Geschenke aus. Und – ups – ich war definitiv nicht der einzige mit der findigen Idee, den “PERU”-Sweater zu besorgen!

Schließlich wird das leckere Weihnachtsmahl serviert. Ich kann kaum glauben, dass wir tatsächlich alle an den Tisch passen. Lange bleiben wir aber nicht sitzen. Wir tanzen, singen und feiern bis früh in die Morgenstunden. Es ist bereits hell draußen. Mir tut alles weh, ganz besonders meine Lachmuskeln.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel Spaß gehabt habe. Glücklich falle ich ins Bett.

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[To the Top of the World.]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=158 2011-01-06T22:36:57Z 2010-12-19T22:06:39Z Mitternacht: Der Wecker klingelt. Ich habe nicht wirklich tief geschlafen. Trotzdem fühle ich mich fit. Denn heute geht es auf dem Cotopaxi! Also doch. Wir haben im Refugio auf 4.800 Meter im Dorm mit 75 Stockbetten geschlafen. Wir stehen auf, frühstücken, dann geht es los. Steigeisen an, Eispickel in die Hand.

1 Uhr: Alle Gruppen, etwa 12 Bergsteiger, starten gleichzeitig. Wir sind zu viert in unserer Gruppe und haben zwei Guides. Es ist fast Vollmond. Der Anblick des Cotopaxi ist heroisch, gigantisch, unheimlich und doch beruhigend. Der Schnee leuchtet hell, ich brauche meine Stirnlampe kaum. Die tiefschwarzen Gletscherspalten und Gesteinsformationen wirken im Mondlicht geradezu romantisch. Ich komme mir vor, als würde ich durch ein Gemälde laufen. Da die letzten Tage wegen des Schnees niemand auf den Gipfel konnte, schlagen wir eine frische Spur in den Schnee. Wir sind die erste Gruppe vorneweg. Für unseren Guide verdammt anstrengend. Der Schnee ist tief und locker. Oft rutsch man in seinem Tritt einen ganzen Schritt zurück.

Langsam wird es steil. Wir bilden – je ein Guide und zwei von uns – zwei Seilschaften. Es wird richtig anstrengend. Kopfweh beschleicht mich. Aber ich habe inzwischen eine Methode entwickelt: Lächeln! Und das hilft in der Tat. Das Kopfweh verschwindet wieder. Ich bin in der zweiten Seilschaft. Jedesmal wenn der Guide sagt wie hoch wir inzwischen sind frage ich mich, was ich die letzte gefühlte Ewigkeit eigentlich gemacht habe. Es zieht sich ewig hin. Sechs Stunden soll der Aufstieg dauern. Ich gucke lieber nicht auf die Uhr.

Es ist noch immer kein Sonnenaufgang in Sicht. Mächtige Gletscherspalten und gigantische Eiszapfenformationen umgeben uns. Der Anblick fasziniert mich derart, dass ich wieder Energie gewinne. Wir sehen die Seilschaften vor und hinter uns nur noch als Stirnlampenpunkte im weißen Schnee. Die Abstände vergrößern sich. Das Kopfweh kommt… ich lächele. 5.350 Meter. Wie, noch nicht einmal die Hälfte? Durchhalten, noch habe ich Reserven. Gott sei Dank ist der Cotopaxi „nur“ steil und nicht auch noch technisch anspruchsvoll, wie der Iliniza Norte vor 2 Tagen.

5.500 Meter. Mist, es wird immer schwieriger mit dem Lächeln. Und auch die Schokolade hilft nur noch bedingt gegen Schmerz in meinem Kopf. Wir schaffen das! Monoton stapfen wir weiter. Links gehts es senkrecht nach oben, rechts steil bergab in die dunkle Tiefe. Unser von mehreren Metern Neuschnee bedeckter Pfad ist gerade mal einen Tritt breit, vielleicht 20 Zentimeter. Mir wird mulmig. Ob die anderen das wohl halten würden, wenn ich dort hinunterrutsche? Oh je, schon wieder gibt der Schnee nach! Konzentration! Puh, das ist ja noch mal gut gegangen.

Der Gipfel sah schon vom Refugio so nah aus. Aber er will kaum näher kommen. Ich kann endgültig nicht mehr lächeln. Soll das Kopfweh doch kommen. Langsam erspähe ich Morgenröte im Osten. Na, dann kann der Aufstieg ja nicht mehr ewig dauern. Wow, der Cotopaxi ist wirklich ein atemberaubend schöner Berg! Oh ja, atemberaubend in der Tat. Ich hechele wie ein Hund. Kann der Guide bitte mal eine Pause machen? Mein Puls pocht an der Obergrenze. Aus irgendeinem Grund habe ich immer noch Reserven. Das erstaunt mich selbst. Es wird heller.

Jawoll, das da oben muss der Gipfel sein! Nur noch 100 Höhenmeter, schätze ich. Ich kann die Gruppe vor uns sehen. Wir sind näher gekommen. Das bedeutet, es wird wohl richtig steil. Gott sei Dank haben wir bereits eine Spur im Schnee. Trotzdem rutsche ich mit jedem zweiten Schritt einen halben Meter zurück. Verdammt, ist das anstrengend! Wir kämpfen uns durch. Ich brauche mehr Pausen. Jetzt wird es richtig hart. Die anderen haben es geschafft, sie winken uns von oben zu. Das muss der Vulkankraterrand sein.

Doch ich habe mich zu früh gefreut: Es geht lediglich einen 45 Grad steilen, 1 Meter breiten, vielleicht 15 Meter langen Kanal hinauf! Ich schlage meine Steigeisen mit aller Kraft in den Schnee. Dann den Eispickel. Ich kann nicht mehr. Aber ich will nicht abstürzen. Also weiter. Ich rutsche trotz der Steigeisen immer wieder ab, der Schnee ist zu locker! Aber da oben wartet doch der Gipfel! Ich reiße mich zusammen. Steigeisen. Eispickel. Steigeisen. Eispickel. So fest ich kann. Schließlich habe ich es geschafft! Doch, oh nein! Das ist nicht der Gipfel! Es geht immer noch weiter. Und zwar steil.

Nein, aufgeben kommt nicht in Frage! Kurze Pause, dann geht es weiter. Auch der nächste „Gipfel“ entpuppt sich nur als Zwischenstufe. Das gibt es doch nicht! Ich hangele mich von Motivationsschub zu Motivationsschub. Die Pausen werden häufiger. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt rapide. Jetzt nur keinen Fehler mehr machen. Gleich hast du es geschafft! Ich kann nicht mehr. Ich sehe den perfekten konischen Schatten des Cotopaxi in den Wolken unter uns. Fantastisch. Ich krabbele auf allen Vieren. Nur noch 50 Höhenmeter vielleicht. Was ist das schon? Die Sonne steht nun über dem Horizont.

Wie war das nochmal? Wenn die Sonne den Schnee schmilzt wird es gefährlich? Na, das dauert ja hoffentlich ein Weilchen. Der Guide wird schon wissen was er tut. Ich schalte auf Durchzug und glotze auf meine Schritte. Das muss doch mal ein Ende haben! Der Berg hört doch schließlich irgendwo auf! Da plötzlich sehe ich den tatsächlichen Gipfel – die anderen von der ersten Gruppe sind bereits oben und haben ihre Rucksäcke und Seile abgeworfen. Jetzt schaffst du es! Mit letzter Kraft schleppe ich mich hoch.

Und da ist er, der Krater des Cotopaxi! Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel. Unter uns die Wolken. Ein gigantischer Ausblick! Ich juchze innerlich, doch es kommt kaum heraus. Wir gratulieren uns gegenseitig zum gelungenen Gipfelsturm. Lange können wir nicht bleiben. Nach zehn Minuten beginnt der Abstieg. Wir haben es geschafft! Wir waren auf dem Cotopaxi! 5.900 Meter über dem Meer! Definitiv jenseits meiner Leistungsfähigkeit. Aber ich habe es geschafft. Und es hat sich gelohnt. Ein wirklich wunderschöner Berg ist das!

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Von der Tiefe in die Höhe – mein Vertical Limit]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=142 2010-12-25T22:05:51Z 2010-12-18T21:13:25Z 4 Uhr aufstehen. Es ist immer noch kalt im Hostal. Verdammt kalt. Ich schlafe ja gerne im Kühlen. Aber hier ist es so kalt und feucht, dass auch die Handtücher nicht trocknen. Wir befinden uns in der Nähe des Cotopaxi Nationalparks. Denn wir wollen den Cotopaxi besteigen und beginnen heute unsere erste Akklimatisierungswanderung, den Iliniza Norte, 5.126 Meter über dem Meer.

Unser Fahrer heizt mit dem Land Cruiser über die Straße. Oder besser über die Piste. Das Auto kann schon einiges ab. Trotzdem fährt er viel zu schnell, finde ich. Plötzlich scheppert es. Wir halten an und steigen aus. Oh nein, die Antriebswelle für den Allrad ist abgebrochen! Der ganze Strang hängt am Boden, mindestens 4 Schrauben fehlen. Das fängt ja gut an. Wir warten im Nieselregen eine halbe Stunde auf das andere Team mit den netten jungen Amis. Wir quetschen uns auf die Rückbank und in den Kofferraum. Die windige Serpentinen-„Straße“ zum Startpunkt für Los Ilinizas ist selbst mit Allrad eine Herausforderung. So manche Stelle müssen wir mehrfach angehen. Es hat viel geregnet, der Untergrund ist schlammig und rutschig. Schließlich sind wir da, auf 4.050m. Wir packen unsere Sachen und marschieren los. Der Aufstieg geht heute schon viel leichter von der Hand als vor ein paar Tagen. Die Akklimatisierung lohnt sich also.

Nord- und Süd-Gipfel des Los Ilinizas verstecken sich in Wolken. Wir kommen auf den ersten Grat. Es wird immer nebeliger. Schließlich fängt es zum Schneien an. Auch der Wind legt stetig zu. Es fängt an zu stürmen. Der Schneesturm fegt über den Grat, das einzige Hindernis sind wohl wir. Na gut, bei schönem Wetter kann da ja jeder hoch. Ich komme mir vor wie in einer Katastrophen-Doku einer Mount Everest Besteigung. Aber alles halb so wild, es wird nur ziemlich kalt und etwas ungemütlich. Nach einer gefühlten Ewigkeit – 4 Stunden – kommen wir zum Refugio auf 4.700m. Auch dort ist es saukalt. Aber es gibt warmen Mate Coca Tee und die Hände kann man sich am Heißwassertopf aufwärmen.

Es wird heute wohl nichts mit dem Gipfel. Wir bräuchten unsere Steigeisen. Und die haben wir nicht mitgenommen. Wir warten, aber es wird nicht besser. Nach einer halben Stunde beschließen wir es morgen erneut zu probieren, deponieren unseren Helm und unsere Eispickel im Refugio und steigen wieder ab. Ziemlich schnell. Das geht auf meine Knie. Plötzlich stelle ich fest, dass ich meinen GPS-Tracker verloren habe. Verdammt, ich ärgere mich. Ist ja nicht wirklich schlimm, aber eben ärgerlich.

Der Rückweg kommt mir viel länger vor als der Aufstieg. Wir kommen am Ausgangspunkt an. Unser Auto ist nicht da. Wir marschieren die Serpentinen Richtung Tal. Marco, unser Guide, ruft an und teilt uns mit, dass der Jeep unten im Schlamm stecken geblieben ist. Wir müssen die ganze lange Straße hinunter laufen. Ich bekomme Kopfweh, meine Zehen tun weh und meine Knie wollen auch nicht mehr. Irgendwann sind wir unten. Kein Wunder, dass es der uralte, halbkaputte Chevrolet-Jeep nicht durch den Schlamm geschafft hat. Um halb zwei sind wir wieder im Hostal. Hoffentlich klappt der Aufstieg auf den Ilinizas morgen. Das wäre die ideale Vorbereitung für den Cotopaxi.

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Los Ilinizas, die Zweite. Wir starten etwas später. 7 Uhr Frühstück, 8 Uhr Abfahrt. Die Gipfel liegen wieder in den Wolken versteckt. Der Aufstieg zum Refugio gestaltet sich problemlos. Ab 4.300 Meter fängt es wieder zum Regnen und schließlich zum Schneien an. Das Wetter ist einfach nicht gut. Wir steigen in einem relativ entspannten Tempo auf. Trotzdem zehrt der Aufstieg an meinen Kräften – ich bin noch ermüdet vom Vortag. Im Refugio essen wir unser Lunchpaket und trinken Mate Coca Tee. Es ist kalt und ich bin froh, dass ich 4 Schichten + Regenjacke anhabe.

Nach nur kurzer Pause bläst unser Guide zum Abmarsch Richtung Gipfel. Jawoll, heute soll es wohl klappen! Wir legen die Steigeisen an. Es ist das erste Mal für uns alle. Na, dann mal los. Ich habe noch keine Ahnung, was da tatsächlich auf uns zukommt. Der Iliniza Norte sei ein technisch einfacher Berg, 5.126 Meter hoch, also gute 400 Höhenmeter ab dem Refugio. Nach wenigen 100 Metern kommen wir zum ersten steilen Stück: Fels und Schnee, es geht steil bergauf. Rechts und link geht es dramatisch steil bergab. Da sollte man auf keinen Fall abrutschen. Wir bilden keine Seilschaft. Dann kann es ja nicht so gefährlich sein. Denke ich.

Die ersten Versuche mit den Steigeisen sind anstrengend. Doch der Halt ist erstaunlich. Neben uns steigt noch eine Gruppe ohne Steigeisen auf. Ich frage mich, wie die das machen. Ich habe selbst mit Steigeisen verdammt viel Respekt vor dem Aufstieg. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir hier wirklich so ein raues Territorium vorfinden würden, ganz anders als der Aufstieg bis zum Refugio. Ich muss mich maximal anstrengen. Unser Guide Marco treibt mich an. Entgegen meiner Hoffnung bleibt der steile Teil auch keine Ausnahme, im Gegenteil. Der Schnee wird immer höher, es schneit obendrein und ist kalt. Wenigstens stürmt es nicht.

Wir schlagen uns durch steile Abhänge, der Schnee geht mir bis zur Hüfte. Ich bin eigentlich schon am Ende meiner Kräfte, sinke immer wieder tief im Schnee ein. Angst habe ich Gott sei Dank keine. Obwohl es grundsätzlich so steil in die vernebelte Tiefe hinabgeht, dass ich allen Grund dazu hätte. Wenn doch wenigstens die Sicht gut wäre. Aber nur Nebel um uns herum. Anstatt mir mal eine Pause zu gönnen, triezt mich Marco immer weiter. Er geht mittlerweile voraus, viel zu schnell. Ich kann nicht mehr. Ich mache meine Pause, wann ich will. Oder muss. Denn ich habe keine Lust, mit einem unkonzentrierten Fehltritt noch mehr Energie zu verlieren oder gar abzustürzen.

Daran denken wir lieber erst gar nicht. Wie viel man doch mit Selbstmotivation erreichen kann: Ich reiße mich zusammen und aktiviere weitere Reserven. Wir sind unserem Guide viel zu langsam. Aber hallo, wir machen das zum ersten Mal und die Schneeverhältnisse sind katastrophal! Die Route scheint kein Ende nehmen zu wollen. Ich muss immer öfter Pause machen. Wir sind schon zwei Stunden unterwegs. Sollte der Aufstieg denn nicht nur Zweieinhalb Stunden dauern? Mir wird ein bisschen schlecht. Marco sagt, wir sind zu langsam. Ich bekomme Kopfweh. Was, noch eine Stunde bis zum Gipfel? Ich nehme alle Kräfte zusammen.

Es geht halsbrecherisch weiter. Tiefer Schnee, steile Aufstiege. Ohne Sicherung natürlich. Mit Eispickel und Stock. Ich rutsche immer öfter unkontrolliert herum. Obwohl ich mittlerweile ein gutes Gefühl für und Vertrauen in die Steigeisen habe. Schließlich sehen wir den letzten Peak. Die Rettung ist nah! Es wird nochmal richtig steil. Ich glaube nicht, dass ich das tatsächlich mache. Mit ein paar Pausen und aller Kraft quäle ich mich hoch. Und da bin ich endlich. Am Gipfel. Angekommen. Nach gut 3 Stunden. Normalerweise braucht man 2,5 Stunden. Na, so lahm waren wir doch gar nicht, wie Marco immer sagt. Mir brennt der Kopf, die Beine sind müde. Wir verweilen fünf Minuten, schießen ein paar Siegerfotos. Die Sicht ist leider – auch ganz oben – schlecht, man sieht nur Nebel in alle Richtungen. Auch keine Sonne von oben.

Dann beginnt der Abstieg. Nicht so anstrengend, aber gefährlicher. Man muss sich sehr konzentrieren. Ich konditioniere mich auf „Du hast es geschafft, jetzt geht es wieder nach Hause“. Meine nicht-wasserfeste Hose von der Agentur ist vom Schnee durchtränkt. Ich bin von oben bis unten pitschnass. Wenn man sich bewegt spürt man die Kälte und Nässe nicht so. Auch beim Abstieg muss ich regelmäßig ausruhen. Marco und José, der andere Guide, rennen vorweg. Ich finde das ziemlich übel. William, mein Schweizer Gefährte, bleibt immer bei mir und hält mich bei Laune. Mann, das ist so unglaublich viel wert! Nach einer guten Stunde kommen wir wieder am Refugio an. Ich bin total am Ende. Ich konnte auf dem Rückweg kaum etwas trinken, so übel war es mir. Im Refugio geht es mir ein bisschen besser, ich trinke Coca Tee mit viel Zucker. Das wirkt. Ich bin immer noch nass von oben bis unten. Sitzen! Was für ein Gefühl! Sitzen!

Ich beschließe, den Cotopaxi nicht zu besteigen. Ich bin maßlos über meine Kräfte gegangen. Doch die Reserven, die man besitzt, sind erstaunlich. Nach einer Viertelstunde beginnt der Abstieg. Es schneit und regnet weiter unten. Ich werde immer nasser. Was eigentlich kaum noch geht. Zum Glück ist der Abstieg kein Problem. Es wird nur sehr rutschig weil extrem viel Wasser den Berg herab fließt. Auch wird es langsam dunkel. Ich stelle auf Durchzug und freue mich schon mal auf eine heiße Dusche. Badewanne wäre noch besser, gibts hier aber nirgends. Wir erreichen nach einer gefühlten Ewigkeit das Auto. Im Kriechtempo fahren wir zum Hostal. Es ist bereits sieben Uhr. Mann, gib doch mal Gas! Ok, die Straße lässt das wirklich nicht zu. Mein Kopfweh kommt und geht. Wenigstens gibt es heißes Wasser im Hostal. Ich habe aber keinen trockenen Pulli mehr. Wir drapieren unsere nassen Sachen um die offenen Kamine. Es ist wieder kalt und feucht im Schlafzimmer. Es gibt gutes Essen. Als ich aufstehen möchte merke ich, dass mir jetzt alles wehtut. Aber das war klar. Ich war total übersäuert. Doch ich bin froh, dass ich wohlbehalten wieder runter gekommen bin. Ich bin ein bisschen stolz auf mich. Wir gehen schlafen. Im eiskalten Schlafzimmer. Ich kann sogar meinen Atem sehen.

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Daniel http://www.danielbetz.de <![CDATA[Gegen den Strom]]> http://www.daniels-weltreise.de/?p=137 2010-12-14T03:54:12Z 2010-12-11T04:15:13Z Tauchen auf Galapagos. Auf Grund der starken Strömungen angeblich eine besondere Herausforderung. Aber für mich ein absolutes Muss. Das Tauchcenter ist sehr gut ausgerüstet. Das Team – wie so oft – macht großen Spaß. Da das Wasser teilweise nur 16°C hat ziehen wir mit 7mm Neopren und Haube los. Wir fahren mit dem Boot zu den Tauchspots. Dive Master Alex ist sehr erfahren und kennt sich bestens aus – er taucht seit Jahrzehnten auf Galapagos. Ich fühle mich wohl bei ihm, auch wenn ich wegen des schweren Seegangs und der starken Strömungen ein wenig aufgeregt bin. Der angekündigte Testtauchgang findet nicht statt, wir gehen gleich aufs Ganze. Ok, ich hoffe, meine Gewichte passen.
Rolle rückwärts vom Boot, alles Bestens, die Taucherbrille sitzt. Das kalte Wasser rinnt mir den Rücken herunter. Dann gehts runter. Am vulkanischen Riff. Alles halb so wild. Zumindest in Floreana.
Am nächsten Tag geht es nach Gorden Rocks, die angeblich anspruchvollste Diving-Site. Ich habe Probleme mit der Maske, aus irgendeinem Grund läuft ständig Wasser herein. Nachdem ich alle Haare unter die Haube gestopft habe, tauche ich ab. Die anderen sind schon unten. Die Sicht ist schlecht, ich bin bereits stark abgetrieben. 10m, niemand zu sehen. Ok, Ruhe bewahren. 15m, Immer noch nichts alles Wasser. Ich habe keinen Tauchcomputer dabei. Mist. Also gut, wir schaffen das, runter auf die instruierten 25m. Und ab in die richtige Richtung, das Riff an der rechten Schulter. Ich habe keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen ist. Die Sicht bleibt schlecht. Wow, da sind sie, die Hammerhaie! Mindestens 8 Stück! Vor lauter Freude vergesse ich meine Misere. Komme allerdings gleich wieder auf den Boden der Realität zurück. Ok, schnell ein paar Fotos geschossen, über die schlechte Sicht geärgert, weitergepaddelt. Ich sehe die nächsten großen Umrisse. Und… Gott sei Dank, da sind sie ja! Na also, alles noch mal gut gegangen. Und die Hammerhaie, Mantas, Galapagos-Sharks und Schildkröten entschädigen für alles.

Zum Thema Strömungen: Sie sind wirklich verdammt stark. Wenn man bei der schlechten Sicht mal kurz nicht aufpasst, ist man alleine. In “La Punta” bei Seymour Norte war die Strömung sogar so stark, dass mein Regulator zum Flattern angefangen hat. Und kalt ist es. Verdammt kalt. Aber die unglaubliche Trefferquote an großem Seegetier ist das alles Wert!

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